Freud und Leid liegen im Sport häufig sehr eng beieinander. Der VfH Worms ging an diesem Wochenende bei der Elite DM in Erfurt mit zwei Kunstradmannschaften an den Start, Während der 6er Frauen ob seiner vielen Podiumsplätze in diesem Jahr als heißer DM-Medaillenkandidat gehandelt wurde, wusste man zwar um die Stärke des Frauen Vierer aber mit Blick auf die geballte Konkurrenz durfte man allenfalls nur Richtung Treppchen schielen. Am Ende kam alles ganz anders.
Zunächst stand Vierer Frauen auf dem Programm. Im zweiten Veranstaltungsblock der fünf punktstärksten Mannschaften ging als erstes das VfH Quartett auf die Fahrfläche. Konzentration und Entschlossenheit war dem Team von Trainer Jürgen Born anzumerken. Die erste Kürminute lief harmonisch und rund, dann galt es als erste Schlüsselübung den angefahrenen Innenstern zu meistern. Die Plätze stimmten, es wurde energisch zugepackt und die Übung klappte punktgenau.
In Folge kamen vier verschiedene Torfahrten, die ebenfalls allesamt haargenau getimt waren. Richtig spannend wurde es dann noch mal bei der Mühle mit Einzeldrehungen.
Der Boden der neu eröffneten Riethalle in Erfurt war griffig aber eben für Drehungen extrem schwer zu kontrollieren. Juliane Pfeffel und Kathrin Born gingen dieses Höchstelement mit Volldampf an und schafften es, die Pirouetten im vorgeschriebenen Höchstradius von 50 cm zu vollführen. Nachdem die Griffverbindungen wieder saßen hieß es durchatmen und rein in die Schluss-Serie mit vielen Wechselrunden. Nach dem Schlussbild im Längszug mit Wechselschleifen fand der Jubel keine Grenzen. Die Ergebnisanzeige blieb bei 183,68 Punkten stehen.
Damit übernahm der VfH Vierer eindrucksvoll die Führung und legte der nachfolgenden Konkurrenz ein Hammerresultat vor. Hoven war als nächstes Team an der Reihe. Sie fanden in keiner Phase ihrer 5-Minuten Darbietung in die Idealspur und rutschten mit 144 Punkten auf Platz fünf in dem Endklassement ab. Danach ging Denkendorf mit knapp neun Punkten Vorsprung ins Rennen, büsste aber in den ersten beiden Kürminuten aufgrund einiger Unsicherheiten das Punktepolster ein. Am Ende wurde es richtig eng – der Vortrag wurde mit 181,2 Zählern bewertet. Damit hatten Lisa Brunnengräber, Nora Erbenich, Juliane Pfeffel und Kathrin Born bereits eine DM Medaille sicher.
Nun ging das Kräftemessen Worms – Aach in die nächste Runde. Das Quartett aus Aach ging ruhig zu Werke und schien lange Zeit von stolzen dreizehn Punkten aus der Schwierigkeitsvorgabe zu zehren. Ab dem Doppeltor Steiger rückwärts machte sich Unruhe in diesem Team breit. Sturz und Prozentabzüge trafen die Aacher Exweltmeisterinnen bei einer gleichzeitigen Tordurchfahrt. Spätestens als die 4er Mühle mit vier Rechtsschleifen komplett zu Bruch ging, fiel Aach hinter den VfH Worms und Denkendorf zurück.
Die amtierenden Weltmeister aus Steinhöring wollten nun einer bis dahin makellosen Saison einen weiteren Höhepunkt verschaffen. Drei Minuten waren sie auf Meisterkurs, die Sache schien gelaufen, ehe auch ihnen die besagter 4er Mühle zum Verhängnis wurde. Dann noch ein verpatzter Innenstern und die Sensation war perfekt. Das VfH Quartett holte sich die begehrten Meistertrikots und sicherte damit dem VfH Worms einen historisch zu nennenden Erfolg, denn in der bewegten Geschichte des Verein für Hallenradsport hat bislang noch kein Frauen Kunstrad Vierer diese Konkurrenz gewonnen. Nicht nur die vielen mitgereisten VfH Fans auch die gesamte Konkurrenz bis hin zu den Kampfrichtern zollten dem VfH Vierer ihren Respekt für diese bravouröse Darbietung und den verdienten DM Titel vor Denkendorf und Steinhöring.
Unmittelbar nach der Siegerehrung musste Nora Erbenich zur Dopingkontrolle. Das Los der Dopingkommission hatte sie getroffen. Sie konnte nicht wie sie wollte und die Verantwortlichen des BDR beharrten zunächst darauf, das sie den Dopingraum nicht verlassen darf. Damit war die Vorbereitung auf den Sechser Wettbewerb empfindlich gestört. Jürgen Born schickte zunächst sein Team mit Kathrin Born als Ersatz für Nora Erbenich zur Trainingsfläche. Parallel verhandelte Stefan Born mit dem Dopingarzt, dass Nora Erbenich in Begleitung eines Chaperon den Dopingraum zum Abschlusstraining und 6er Wettbewerb darf.
Zurück bei ihrem Team übernahm Nora Erbenich als Sechser Kapitän sofort das Kommando aber es hatte sich Unruhe breit gemacht. Die Plätze stimmten beim Einfahren nicht. Trainer Jürgen Born hatte alle Hände voll zu tun, wieder für Ordnung auf dem Parkett zu sorgen. Als drittletztes Team ging der VfH Sechser in der Besetzung Juliane Pfeffel, Lisa Brunnengräber, Nora Erbenich, Daniela Born, Lisa Born und Sabrina Born an den Start. Die Punktvorgabe des Denkendorfer Team mit 164,17 Zählern hinterließ spürbaren Eindruck beim VfH.
In der ersten Übung, der sogenannten Stirnreihendrehung, wurden die Griffe nicht sofort geschlossen. Richtig eng wurde es danach bei der Gegendoppeltorfahrt und brenzlig gar beim Übergang zu drei Mühlen. Dann erst kehrte Ruhe ein und der VfH Sechser begann zu Rollen. Bis zum Einbiegen in die „6 hintereinander Runde mit sechs Linksschleifen“. Die Plätze waren nicht optimal abgestimmt, zwei Fahrerinnen touchierten sich und mit einem Schlag waren elf Punkte futsch. Jürgen Born lenkte nun sein Team intensiv aus der Coachingzone. Seine Hinweise führten sie über die verbleibenden Kürminuten. Ausgerechnet beim letzten Programmelement, den „angefahrenen Außensternen“ gab es einen weiteren Sturz und Schwierigkeitsabzüge. 143,65 reichten am Ende nicht für das Treppchen aus. Steinhöring holte sich den Titel souverän vor Hoven und Denkendorf.
Nach den Freudentränen im Viererwettbewerb flossen nun im VfH Lager Tränen der Enttäuschung. Beide Teams werden aufgrund beruflicher und Studienbezogener Gründe so nicht mehr weiter bestehen können, insofern war dies speziell für die Sechserstarterinnen ein besonders schmerzlicher Abgang.
Text und Bilder Stefan Born









